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Thema aktuell: Technologieorientierte und wissensbasierte Gründungen von Frauen


01.10.2005

Technologieorientierte und wissensbasierte Gründungen von Frauen

Unter dem Begriff „technologie- und wissensbasierte Gründungen“ lassen sich Gründungen verschiedener Disziplinen zusammenfassen. Allgemein beinhaltet Technologie die Komponenten der Technik (Werkzeuge, Geräte, Apparate), die materiellen und organisatorischen Voraussetzungen sowie deren Anwendung. Der Begriff "technologieorientiert“ beinhaltet oftmals im Kontext von Gründungen auch Gründungen aus wissensintensiven, wissensbasierten sowie innovativen Bereichen, ebenso Gründungen aus Schnittstellenbereichen. Eine einheitliche Definition für die verbundenen Tätigkeiten gibt es nicht, bzw. sie unterliegen einem stetigen Wandel entsprechend der Innovationsentwicklung und dem Einsatz neuer Produkte und Verfahren.
(vgl.: Kienbaum Studie „Wissens- und technologieorientiertes Gründungsgeschehen Bestandsaufnahme für eine Weiterentwicklung von EXIST, 2005 “).


Situationsanalyse

Wie die oben genannte Studie von Kienbaum feststellt, ist zwar die Zahl der Gründungen durch Frauen in den 90er Jahren insgesamt erheblich gestiegen, dennoch gibt es doppelt so viele männliche wie weibliche Gründer im selben Zeitraum. Vor allem in technologie- bzw. wissensorientierten Bereichen sind Gründungen nach wie vor eine „Männerdomäne“.


In welchen Bereichen gründen Frauen?

44 % aller Gründerinnen sind im Dienstleistungsbereich aktiv (gegenüber 29 % der Gründer) - vor allem in den Bereichen Dienstleistungen für Unternehmen (z.B. Beratung, Facility Management), persönliche Dienstleistungen (z.B. Kosmetik, Steuerberatung) und Heilberufe, sowie Gesundheits- und Sozialwesen. Während bei Dienstleistungen für Unternehmen der Anteil von Frauen und Männern in etwa gleich ist, gründen in beiden anderen Bereichen zusammen 27 % der Frauen, aber nur 11 % der Männer (vgl.: Forschungsergebnisse des KfW- Research Nr. 3, September 2005).

Um überhaupt in technologie- und wissensbasierten Bereichen gründen zu können, müssen verschiedene Entwicklungsschritte durchlaufen und Entscheidungen getroffen werden - auf dem Weg zur Berufsfähigkeit wie auch zur Selbstständigkeit. Die Gründe für den geringen Frauenanteil an technologie- und wissensbasierten Gründungen lassen sich bereits in einer frühen Entwicklungsstufe identifizieren.


Schul – und Hochschulausbildung

Laut dem Statistischen Bundesamt waren im letzten Schuljahr 54% der Schüler in Gymnasien weiblich. In allgemeinbildenden Schulen und Hauptschulen stellen Mädchen und Frauen mit 49% bzw. 44% die Minderheit dar. Der Frauenanteil an den Abiturienten (Hochschul- und Fachhochschulreife) betrug hingegen 56%. Bei Einbeziehung der Abiturienten aus beruflichen Schulen lag der Frauenanteil 2004 bei 53%. Seit es in Deutschland vor zehn Jahren erstmals mehr weibliche als männliche Abiturienten gab, steigt dieser Frauenanteil kontinuierlich an. An deutschen Hochschulen waren im Jahr 2004 49% Studentinnen immatrikuliert. Auch bei den Absolventen gab es eine deutliche Steigerung des Frauenanteils auf 49%. Im Gegensatz zu diesem relativ ausgewogenen Verhältnis zwischen Männern und Frauen sind die Frauenanteile bei weiterführenden Qualifikationen wie Doktortitel (38% Frauen) und Professuren (14% Frauen) relativ niedrig (vgl.: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 06.09.2005).

Die Wahl des Studienfachs bildet die Grundlage für eine Gründung und entscheidet meist darüber, ob überhaupt in einem technologie- wissensbasierten Bereich gegründet werden kann. Die Gründe für die Wahl des Studiengangs sind bereits vorab, in der frühen schulischen Ausbildung, zu suchen. Eine Studie der Akademie für Technikfolgenabschätzung stellte fest, dass sich bereits bei der Wahl des Gymnasiums deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede ergeben (vgl. im Folgenden: Zwick/Renn, 2000, S. 36 ff.). Nur 21% der Schüler im Jahr 1999 an Technischen Gymnasien waren weiblich, während an allgemeinen Gymnasien 52% Schülerinnen vorzufinden waren. Zudem wurden als „Lieblingsfächer“ der Schülerinnen „Kultur/ Philosophie“, „Kunst/ Musik“ und „Sprachen“ identifiziert, während sich die männlichen Schüler weitaus lieber den Fächern „Naturwissenschaften“, „Mathematik/ Informatik“ und „Sport“ zuwandten. Zudem belegt die genannte Studie einen deutlichen Zusammenhang zwischen der späteren Wahl des Studienfaches und dem fachlichen Interesse (das sich in der Leistungskurswahl und dem persönlichen Interesse zeigt), sowie familiären Interessen und Ressentiments gegenüber „technokratischen Problemlösungen“. Zwick/ Renn stellen fest: „Offenkundig liegen in der Schule- zumal zu Beginn der Oberstufe, wenn die Leistungskurswahl getroffen wird- die geschlechtsspezifischen Interessen bereits hochgradig fest, so dass eine besondere Erschließung ‚stiller Reserven’ von natur-, technik- und ingenieurwissenschaftlich interessierten Frauen wahrscheinlich nicht mehr greifen dürfte.“ (Zwick/Renn, 2000, S. 46).

Darüber hinaus ist die Einstellung der Frauen zur Naturwissenschaft und Technik im Alltag stark von sozialen Vorurteilen und Rollenbildern geprägt. Die Unterrepräsentanz der Frauen resultiert zum einen aus der Arbeitsumgebung und zum anderen aus geschlechtsspezifischen Unterschieden bezüglich der Studiums- und Karrierewahl, speziell in wissenschaftlichen Bereichen. Es liegen also geschlechtsspezifisch unterschiedliche und gesellschaftlich geprägte Sozialisationsmuster vor. Das fehlende Interesse der Mädchen und Frauen an der Technik scheint folglich sozial induziert zu sein (vgl.: Key Figures, 2005, S. 54; EU-Nachrichten, S. 16). Dies wird auch durch die Accenture- Studie „Frauen im Profil“ belegt, aus der hervorgeht, dass Frauen, obwohl sie in Schule und Ausbildung durchschnittlich erfolgreicher abschneiden und sich karrieretechnisch günstigere Startbedingungen schaffen als gleichaltrige Männer, viel weniger an Technologie interessiert sind. Gegenüber 67 % bei Männern, liegt nur bei 31 % der Frauen ein starkes Interesse an Technologie vor.


Ausbildung an der Hochschule in technik-, natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern

Seit 1972 stieg der Anteil der Frauen bspw. in den Ingenieurwissenschaften von etwa 8% auf zunächst knapp 16% im Jahr 1992 und dann weiter auf fast 22% im Jahr 2000. In diesem Studienjahr studierten an allen deutschen Hochschulen über 58.000 Frauen Ingenieurwissenschaften, davon ca. 11.700 im 1. Fachsemester. Der Anteil der Studienanfängerinnen lag bei 22,4% (vgl.: Stewart, 2003, S. 6).

Laut dem Statistischen Bundesamt waren Studentinnen im Wintersemester 2004/2005 in technisch und naturwissenschaftlich ausgerichteten Fächern deutlich unterrepräsentiert. In der Fächergruppe Mathematik/ Naturwissenschaften stellten die Frauen einen Anteil von 37%, in den Ingenieurwissenschaften von 21%. Eine Trendwende bezüglich der Fächerwahl junger Frauen ist derzeit nicht zu erwarten, da sich die Anteile von Frauen in den letzten Jahren kaum verändert haben (vgl.: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 26.04.2005).

Die Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung deuten in dieselbe Richtung. So beträgt der Frauenanteil in High-Tech-Fächern mit den größten prognostizierten Wachstumschancen wie Elektrotechnik, Nachrichtentechnik, Maschinenbau und Fertigungsingenieurwesen nur knapp 10% (vgl.: Pressemitteilung des BMBF vom 19.05.2000). Haben Frauen sich für das Studium eines naturwissenschaftlichen/technischen Faches entschieden, ist erst die Grundlage für eine Gründung in diesem Bereich gelegt und es bedarf weiterer Motivierung.


Frauen und Gründung

Eine aktuelle Befragung von Hochschulabsolventen/innen fünf Jahre nach dem Studium zeigt, dass die Skepsis bezüglich einer Selbständigkeit im Vergleich zu früher zugenommen hat (vgl. im Folgenden: Kerst/Minks, 2005). Frauen im Allgemeinen, Ingenieure/ innen sowie Informatiker/ innen stehen einer solchen Option häufiger skeptisch gegenüber: 42% aller befragten Hochschulabsolventinnen, 38% der   Ingenieure/innen bzw. Informatiker/innen (FH) und 34% der Ingenieure/innen bzw. Informatiker/innen (Uni) lehnen eine selbständige Tätigkeit für sich grundsätzlich ab. Andererseits erzielten gerade die bereits selbständigen Ingenieure/innen bzw. Informatiker/innen der Untersuchungsstichprobe signifikant höhere Brutto- Jahreseinkommen als die abhängigen Beschäftigten ihrer Fachrichtung (Ingenieure/innen bzw. Informatiker/innen FH +28,8% und Ingenieure/innen bzw. Informatiker/innen Uni +17,3%).


Einzelne Unterstützungsmaßnahmen zur Förderung des Frauenanteils in den technologie- und wissensbasierten Fächern

Die Frauenquote, bspw. von Ingenieurinnen an allen erwerbstätigen Ingenieuren, beträgt in Deutschland ca. 10%. Sie ist im europäischen Vergleich eher niedrig, was jedoch weniger auf die Studienbedingungen als auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Tätigkeitsprofile zurück zu führen ist (vgl.: Pfennig et al., 2002, S. 57).

Es gibt unterschiedliche Ansätze und Herangehensweisen, um das Potential der Frauen bezüglich technischer/ naturwissenschaftlicher/ ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge zu erhöhen, sie zu sensibilisieren und zu einer eigenen Unternehmensgründung zu motivieren. Beispielsweise möchte das Bundesministerium für Bildung und Forschung anhand einer Ingenieurinnenkampagne mit dem Titel „Be.ing – In Zukunft mit Frauen“ Frauen dazu motivieren, Ingenieurstudiengänge zu wählen.

Ein gutes Beispiel ist auch das Berufsbildungsprogramm „Leonardo da Vinci“ zur Steigerung der Motivation von Frauen mit naturwissenschaftlicher und technischer Ausbildung zur Gründung eines eigenen Unternehmens. Es umfasst u.a. das Projekt „JASS“ (Gemeinsame Analyse und Strategie der Existenzgründung von Frauen mit technischer und wissenschaftlicher Ausbildung), das vom ComEAST an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg begleitet wird. Es existiert seit 1995 und wird in Sachsen- Anhalt, Thüringen und Sachsen durchgeführt.


Veranstaltungen

  • Deutschland braucht mehr (technologieorientierte) Spin- offs von Frauen

    Hierzu fand am 8. und 9. September In enger Kooperation mit dem BMBF und dem Projektträger DLR widmet sich auch die bundesweite gründerinnenagentur (bga) in diesem Jahr dem Themenschwerpunkt: "Deutschland braucht mehr (technologieorientierte) Spin- offs von Frauen". Hierzu fand am 8. und 9. September ein erster Workshop an der Universität Hohenheim statt. Die Zielgruppen des Workshops waren in erster Linie namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Bereichen der Gründerinnenforschung und Gründungsberatung sowie erfolgreiche Gründerinnen. Das Ziel des Workshops war es, gemeinsam das bislang noch wenig erforschte Thema Spin- offs von Frauen zu erörtern.


  • Unternehmerinnentag am 11.11.2005 in Hannover
    Frauen führen erfolgreich Arztpraxen, gründen Ingenieurbüros, gewinnen Preise als Web-Designerin oder sind selbstständige IT- Spezialistinnen. In diesem Kontext steht der Unternehmerinnentag 2005 in Hannover unter dem Motto: Erfolgreiche Selbständigkeit in Naturwissenschaft und Technik.

    Zielgruppe
    : Gründerinnen und Unternehmerinnen aus den Branchen IT, Multimedia, Life Science, Automotive, Laser- und Produktionstechnik wie z.B. Webdesign, IT- Softwarelösungen, Programmiererinnen, Biotechnikerinnen, Biologinnen, Medizinerinnen, Pharmazeutinnen, Physikerinnen, Ingenieurinnen.

    Ziele der Tagung: Vernetzung und Geschäftskontakte, Motivation für Gründerinnen und Unternehmerinnen, Chancen für Existenzgründerinnen und Unternehmerinnen in den Fokusbranchen durch Vernetzung fördern.

    Der Unternehmerinnentag 2005 rückt speziell Frauen in den Mittelpunkt, Gründerinnen und Unternehmerinnen, die in diesen Branchen ihre „Frau stehen“. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit sind Schwerpunkte der Veranstaltung. Auf dem begleitenden „Infomarkt“ bieten zahlreiche Organisationen und Beraterinnen Tipps und ausführliche Hinweise.

    Der Unternehmerinnentag 2005 steht unter der Schirmherrschaft der Niedersächsischen Sozialministerin Ursula von der Leyen und des Wirtschaftsministers Walter Hirche.

    Veranstalter sind das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit, die hannoverimpuls GmbH (Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft), der Fachbereich Wirtschaftsförderung Region Hannover und das Gleichstellungsreferat der Landeshauptstadt Hannover.

    Organisiert und konzipiert hat den Unternehmerinnentag die Gründerinnen-Consult Hannover, sie ist eine Regionalpartnerin der bundesweiten gründerinnenagentur (bga).

    Weitere Informationen unter: www.hannover.de/deutsch/reportag/pm050906dg1736.htm

 



Anregungen und Fragen nehmen gerne entgegen:

Claudia Böhnke
bundesweite gründerinnenagentur - bga
Telefon: 0711/ 451017 – 205
E-Mail: claudia.boehnke@gruenderinnenagentur.de

Cornelia Klaus
Gründerinnen-Consult Hannover
Telefon: 0511/924001-22
E-Mail: gruenderinnen.consult@t-online.de


Literatur:

Accenture-Studie (2005): Frauen im Profil, eine empirische Bestandsaufnahme der Einstellungen von Hochschulabsolventinnen im Vergleich zu ihren Kommilitoninnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
http://www.accenture.com/xdoc/de/locations/germany/aboutus/newsroom/2004/frauen_im_profil.pdf

BMBF, Pressemitteilung (2000): Ingenieurinnenkampagne "Be.Ing - In Zukunft mit Frauen: Bundesministerin Bulmahn lädt zur bundesweiten Informationsbörse "Meet.ing!" ein.

European Commission (2005): Key Figures 2005 on science, technology and innovation towards a European knowledge area.
ftp://ftp.cordis.lu/pub/indicators/docs/kf2005_report.doc

EU-Informationen (2004), herausgegeben von Forschungs- und Technologie-Transfer, Akademisches Auslandsamt, Düsseldorf
http://www.verwaltung.uni-duesseldorf.de/eu-info/AusgabenEU-Informationen2004/EU-Info-79-81%20April-Juni-2004.pdf

Kerst, Christian; Minks, Karl-Heinz (2005): Selbständigkeit und Unternehmensgründung von Hochschulabsolventen fünf Jahre nach dem Studium. Eine Auswertung der HIS-Absolventenbefragungen 2002/2003. Kurzinformation, Hochschul-Informations-System, A8/2005, Juni 2005.

KfW-Research Nr. 3, September 2005 - Forschungsergebnisse

Kienbaum Studie „Wissens- und technologieorientiertes Gründungsgeschehen Bestandsaufnahme für eine Weiterentwicklung von EXIST, 2005 “

www.bmbf.de/pub/wissens_technologieorientiertes_gruendungsgeschehen.pdf

Pfennig, Uwe et al. (2002): Zur Zukunft technischer und naturwissenschaftlicher Berufe, Strategien gegen den Nachwuchsmangel. Akademie für Technikfolgeabschätzung (Hg.)

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung (2005): Nach wie vor studieren wenige Frauen Natur- und Ingenieurwissenschaften (26.04.2005)

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung (2005): Frauen im Bildungssystem zunehmend erfolgreicher (06.09.2005)

Stewart, Gerdi (2003): Die Motivation von Frauen für ein Studium der Ingenieur- und Naturwissenschaften.

Zwick, Michael M.; Renn, Ortwin (2000): Die Attraktivität von technischen und ingenieurwissenschaftlichen Fächern bei der Studien- und Berufswahl junger Frauen und Männer. Eine Präsentation der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg.



 
 
 
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