Technologieorientierte und wissensbasierte Gründungen von Frauen Unter
dem Begriff „technologie- und wissensbasierte Gründungen“ lassen sich
Gründungen verschiedener Disziplinen zusammenfassen. Allgemein
beinhaltet Technologie die Komponenten der Technik (Werkzeuge, Geräte,
Apparate), die materiellen und organisatorischen Voraussetzungen sowie
deren Anwendung. Der Begriff "technologieorientiert“ beinhaltet oftmals
im Kontext von Gründungen auch Gründungen aus wissensintensiven,
wissensbasierten sowie innovativen Bereichen, ebenso Gründungen aus
Schnittstellenbereichen. Eine einheitliche Definition für die
verbundenen Tätigkeiten gibt es nicht, bzw. sie unterliegen einem
stetigen Wandel entsprechend der Innovationsentwicklung und dem Einsatz
neuer Produkte und Verfahren.
(vgl.: Kienbaum Studie „Wissens- und technologieorientiertes
Gründungsgeschehen Bestandsaufnahme für eine Weiterentwicklung von
EXIST, 2005 “).
Situationsanalyse
Wie die oben genannte Studie von Kienbaum feststellt, ist zwar
die Zahl der Gründungen durch Frauen in den 90er Jahren insgesamt
erheblich gestiegen, dennoch gibt es doppelt so viele männliche wie
weibliche Gründer im selben Zeitraum. Vor allem in technologie- bzw.
wissensorientierten Bereichen sind Gründungen nach wie vor eine
„Männerdomäne“.
In welchen Bereichen gründen Frauen?
44 % aller Gründerinnen sind im
Dienstleistungsbereich aktiv (gegenüber 29 % der Gründer) - vor allem
in den Bereichen Dienstleistungen für Unternehmen (z.B. Beratung,
Facility Management), persönliche Dienstleistungen (z.B. Kosmetik,
Steuerberatung) und Heilberufe, sowie Gesundheits- und Sozialwesen.
Während bei Dienstleistungen für Unternehmen der Anteil von Frauen und
Männern in etwa gleich ist, gründen in beiden anderen Bereichen
zusammen 27 % der Frauen, aber nur 11 % der Männer (vgl.:
Forschungsergebnisse des KfW- Research Nr. 3, September 2005).
Um überhaupt in technologie- und wissensbasierten Bereichen gründen zu
können, müssen verschiedene Entwicklungsschritte durchlaufen und
Entscheidungen getroffen werden - auf dem Weg zur Berufsfähigkeit wie
auch zur Selbstständigkeit. Die Gründe für den geringen Frauenanteil an
technologie- und wissensbasierten Gründungen lassen sich bereits in
einer frühen Entwicklungsstufe identifizieren.
Schul – und Hochschulausbildung
Laut dem Statistischen Bundesamt waren im letzten Schuljahr
54% der Schüler in Gymnasien weiblich. In allgemeinbildenden Schulen
und Hauptschulen stellen Mädchen und Frauen mit 49% bzw. 44% die
Minderheit dar. Der Frauenanteil an den Abiturienten (Hochschul- und
Fachhochschulreife) betrug hingegen 56%. Bei Einbeziehung der
Abiturienten aus beruflichen Schulen lag der Frauenanteil 2004 bei 53%.
Seit es in Deutschland vor zehn Jahren erstmals mehr weibliche als
männliche Abiturienten gab, steigt dieser Frauenanteil kontinuierlich
an. An deutschen Hochschulen waren im Jahr 2004 49% Studentinnen
immatrikuliert. Auch bei den Absolventen gab es eine deutliche
Steigerung des Frauenanteils auf 49%. Im Gegensatz zu diesem relativ
ausgewogenen Verhältnis zwischen Männern und Frauen sind die
Frauenanteile bei weiterführenden Qualifikationen wie Doktortitel (38%
Frauen) und Professuren (14% Frauen) relativ niedrig (vgl.:
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 06.09.2005).
Die Wahl des Studienfachs bildet die Grundlage für eine Gründung und
entscheidet meist darüber, ob überhaupt in einem technologie-
wissensbasierten Bereich gegründet werden kann. Die Gründe für die Wahl
des Studiengangs sind bereits vorab, in der frühen schulischen
Ausbildung, zu suchen. Eine Studie der Akademie für
Technikfolgenabschätzung stellte fest, dass sich bereits bei der Wahl
des Gymnasiums deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede ergeben
(vgl. im Folgenden: Zwick/Renn, 2000, S. 36 ff.). Nur 21% der Schüler
im Jahr 1999 an Technischen Gymnasien waren weiblich, während an
allgemeinen Gymnasien 52% Schülerinnen vorzufinden waren. Zudem wurden
als „Lieblingsfächer“ der Schülerinnen „Kultur/ Philosophie“, „Kunst/
Musik“ und „Sprachen“ identifiziert, während sich die männlichen
Schüler weitaus lieber den Fächern „Naturwissenschaften“, „Mathematik/
Informatik“ und „Sport“ zuwandten. Zudem belegt die genannte Studie
einen deutlichen Zusammenhang zwischen der späteren Wahl des
Studienfaches und dem fachlichen Interesse (das sich in der
Leistungskurswahl und dem persönlichen Interesse zeigt), sowie
familiären Interessen und Ressentiments gegenüber „technokratischen
Problemlösungen“. Zwick/ Renn stellen fest: „Offenkundig liegen in der
Schule- zumal zu Beginn der Oberstufe, wenn die Leistungskurswahl
getroffen wird- die geschlechtsspezifischen Interessen bereits
hochgradig fest, so dass eine besondere Erschließung ‚stiller Reserven’
von natur-, technik- und ingenieurwissenschaftlich interessierten
Frauen wahrscheinlich nicht mehr greifen dürfte.“ (Zwick/Renn, 2000, S.
46).
Darüber hinaus ist die Einstellung der Frauen zur Naturwissenschaft und
Technik im Alltag stark von sozialen Vorurteilen und Rollenbildern
geprägt. Die Unterrepräsentanz der Frauen resultiert zum einen aus der
Arbeitsumgebung und zum anderen aus geschlechtsspezifischen
Unterschieden bezüglich der Studiums- und Karrierewahl, speziell in
wissenschaftlichen Bereichen. Es liegen also geschlechtsspezifisch
unterschiedliche und gesellschaftlich geprägte Sozialisationsmuster
vor. Das fehlende Interesse der Mädchen und Frauen an der Technik
scheint folglich sozial induziert zu sein (vgl.: Key Figures, 2005, S.
54; EU-Nachrichten, S. 16). Dies wird auch durch die Accenture- Studie
„Frauen im Profil“ belegt, aus der hervorgeht, dass Frauen, obwohl sie
in Schule und Ausbildung durchschnittlich erfolgreicher abschneiden und
sich karrieretechnisch günstigere Startbedingungen schaffen als
gleichaltrige Männer, viel weniger an Technologie interessiert sind.
Gegenüber 67 % bei Männern, liegt nur bei 31 % der Frauen ein starkes
Interesse an Technologie vor.
Ausbildung an der Hochschule in technik-, natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern
Seit 1972 stieg der Anteil der Frauen bspw. in den
Ingenieurwissenschaften von etwa 8% auf zunächst knapp 16% im Jahr 1992
und dann weiter auf fast 22% im Jahr 2000. In diesem Studienjahr
studierten an allen deutschen Hochschulen über 58.000 Frauen
Ingenieurwissenschaften, davon ca. 11.700 im 1. Fachsemester. Der
Anteil der Studienanfängerinnen lag bei 22,4% (vgl.: Stewart, 2003, S.
6).
Laut dem Statistischen Bundesamt waren Studentinnen im Wintersemester
2004/2005 in technisch und naturwissenschaftlich ausgerichteten Fächern
deutlich unterrepräsentiert. In der Fächergruppe Mathematik/
Naturwissenschaften stellten die Frauen einen Anteil von 37%, in den
Ingenieurwissenschaften von 21%. Eine Trendwende bezüglich der
Fächerwahl junger Frauen ist derzeit nicht zu erwarten, da sich die
Anteile von Frauen in den letzten Jahren kaum verändert haben (vgl.:
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 26.04.2005).
Die Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung deuten in
dieselbe Richtung. So beträgt der Frauenanteil in High-Tech-Fächern mit
den größten prognostizierten Wachstumschancen wie Elektrotechnik,
Nachrichtentechnik, Maschinenbau und Fertigungsingenieurwesen nur knapp
10% (vgl.: Pressemitteilung des BMBF vom 19.05.2000). Haben Frauen sich
für das Studium eines naturwissenschaftlichen/technischen Faches
entschieden, ist erst die Grundlage für eine Gründung in diesem Bereich
gelegt und es bedarf weiterer Motivierung.
Frauen und Gründung
Eine aktuelle Befragung von Hochschulabsolventen/innen fünf
Jahre nach dem Studium zeigt, dass die Skepsis bezüglich einer
Selbständigkeit im Vergleich zu früher zugenommen hat (vgl. im
Folgenden: Kerst/Minks, 2005). Frauen im Allgemeinen, Ingenieure/ innen
sowie Informatiker/ innen stehen einer solchen Option häufiger
skeptisch gegenüber: 42% aller befragten Hochschulabsolventinnen, 38%
der Ingenieure/innen bzw. Informatiker/innen (FH) und 34%
der Ingenieure/innen bzw. Informatiker/innen (Uni) lehnen eine
selbständige Tätigkeit für sich grundsätzlich ab. Andererseits
erzielten gerade die bereits selbständigen Ingenieure/innen bzw.
Informatiker/innen der Untersuchungsstichprobe signifikant höhere
Brutto- Jahreseinkommen als die abhängigen Beschäftigten ihrer
Fachrichtung (Ingenieure/innen bzw. Informatiker/innen FH +28,8% und
Ingenieure/innen bzw. Informatiker/innen Uni +17,3%).
Einzelne Unterstützungsmaßnahmen zur Förderung des Frauenanteils in den technologie- und wissensbasierten Fächern
Die Frauenquote, bspw. von Ingenieurinnen an allen
erwerbstätigen Ingenieuren, beträgt in Deutschland ca. 10%. Sie ist im
europäischen Vergleich eher niedrig, was jedoch weniger auf die
Studienbedingungen als auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zur
Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Tätigkeitsprofile zurück zu
führen ist (vgl.: Pfennig et al., 2002, S. 57).
Es gibt unterschiedliche Ansätze und Herangehensweisen, um das Potential
der Frauen bezüglich technischer/ naturwissenschaftlicher/
ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge zu erhöhen, sie zu
sensibilisieren und zu einer eigenen Unternehmensgründung zu
motivieren. Beispielsweise möchte das Bundesministerium für Bildung und
Forschung anhand einer Ingenieurinnenkampagne mit dem Titel „Be.ing –
In Zukunft mit Frauen“ Frauen dazu motivieren, Ingenieurstudiengänge zu
wählen.
Ein gutes Beispiel ist auch das Berufsbildungsprogramm „Leonardo da
Vinci“ zur Steigerung der Motivation von Frauen mit
naturwissenschaftlicher und technischer Ausbildung zur Gründung eines
eigenen Unternehmens. Es umfasst u.a. das Projekt „JASS“ (Gemeinsame
Analyse und Strategie der Existenzgründung von Frauen mit technischer
und wissenschaftlicher Ausbildung), das vom ComEAST an der
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg begleitet wird. Es existiert
seit 1995 und wird in Sachsen- Anhalt, Thüringen und Sachsen
durchgeführt.
Veranstaltungen
- Deutschland braucht mehr (technologieorientierte) Spin- offs von Frauen
Hierzu fand am 8. und 9. September In enger Kooperation mit dem BMBF und dem Projektträger DLR
widmet sich auch die bundesweite gründerinnenagentur (bga) in diesem
Jahr dem Themenschwerpunkt: "Deutschland braucht mehr (technologieorientierte) Spin- offs von Frauen".
Hierzu fand am 8. und 9. September ein erster Workshop an der
Universität Hohenheim statt. Die Zielgruppen des Workshops waren in
erster Linie namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,
Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Bereichen der
Gründerinnenforschung und Gründungsberatung sowie erfolgreiche
Gründerinnen. Das Ziel des Workshops war es, gemeinsam das bislang noch
wenig erforschte Thema Spin- offs von Frauen zu erörtern.
-
Unternehmerinnentag am 11.11.2005 in Hannover
Frauen führen erfolgreich Arztpraxen, gründen Ingenieurbüros, gewinnen
Preise als Web-Designerin oder sind selbstständige IT- Spezialistinnen.
In diesem Kontext steht der Unternehmerinnentag 2005 in Hannover unter
dem Motto: Erfolgreiche Selbständigkeit in Naturwissenschaft und Technik.
Zielgruppe: Gründerinnen und Unternehmerinnen aus
den Branchen IT, Multimedia, Life Science, Automotive, Laser- und
Produktionstechnik wie z.B. Webdesign, IT- Softwarelösungen,
Programmiererinnen, Biotechnikerinnen, Biologinnen, Medizinerinnen,
Pharmazeutinnen, Physikerinnen, Ingenieurinnen.
Ziele der Tagung: Vernetzung und Geschäftskontakte,
Motivation für Gründerinnen und Unternehmerinnen, Chancen für
Existenzgründerinnen und Unternehmerinnen in den Fokusbranchen durch
Vernetzung fördern.
Der Unternehmerinnentag 2005 rückt speziell Frauen in den Mittelpunkt,
Gründerinnen und Unternehmerinnen, die in diesen Branchen ihre „Frau
stehen“. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen auf dem Weg in die
Selbstständigkeit sind Schwerpunkte der Veranstaltung. Auf dem
begleitenden „Infomarkt“ bieten zahlreiche Organisationen und
Beraterinnen Tipps und ausführliche Hinweise.
Der Unternehmerinnentag 2005 steht unter der Schirmherrschaft der
Niedersächsischen Sozialministerin Ursula von der Leyen und des
Wirtschaftsministers Walter Hirche.
Veranstalter sind das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft,
Arbeit und Verkehr, das Niedersächsische Ministerium für Soziales,
Frauen, Familie und Gesundheit, die hannoverimpuls GmbH
(Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft), der Fachbereich
Wirtschaftsförderung Region Hannover und das Gleichstellungsreferat der
Landeshauptstadt Hannover.
Organisiert und konzipiert hat den Unternehmerinnentag die
Gründerinnen-Consult Hannover, sie ist eine Regionalpartnerin der
bundesweiten gründerinnenagentur (bga).
Weitere Informationen unter: www.hannover.de/deutsch/reportag/pm050906dg1736.htm
Anregungen und Fragen nehmen gerne entgegen:
Claudia Böhnke
bundesweite gründerinnenagentur - bga
Telefon: 0711/ 451017 – 205
E-Mail: claudia.boehnke@gruenderinnenagentur.de
Cornelia Klaus
Gründerinnen-Consult Hannover
Telefon: 0511/924001-22
E-Mail: gruenderinnen.consult@t-online.de
Literatur:
Accenture-Studie (2005): Frauen im Profil, eine empirische
Bestandsaufnahme der Einstellungen von Hochschulabsolventinnen im
Vergleich zu ihren Kommilitoninnen in Deutschland, Österreich und der
Schweiz
http://www.accenture.com/xdoc/de/locations/germany/aboutus/newsroom/2004/frauen_im_profil.pdf
BMBF, Pressemitteilung (2000): Ingenieurinnenkampagne "Be.Ing - In
Zukunft mit Frauen: Bundesministerin Bulmahn lädt zur bundesweiten
Informationsbörse "Meet.ing!" ein.
European Commission (2005): Key Figures 2005 on science, technology and innovation towards a European knowledge area.
ftp://ftp.cordis.lu/pub/indicators/docs/kf2005_report.doc
EU-Informationen (2004), herausgegeben von Forschungs- und Technologie-Transfer, Akademisches Auslandsamt, Düsseldorf
http://www.verwaltung.uni-duesseldorf.de/eu-info/AusgabenEU-Informationen2004/EU-Info-79-81%20April-Juni-2004.pdf
Kerst, Christian; Minks, Karl-Heinz (2005): Selbständigkeit und
Unternehmensgründung von Hochschulabsolventen fünf Jahre nach dem
Studium. Eine Auswertung der HIS-Absolventenbefragungen 2002/2003.
Kurzinformation, Hochschul-Informations-System, A8/2005, Juni 2005.
KfW-Research Nr. 3, September 2005 - Forschungsergebnisse
Kienbaum Studie „Wissens- und technologieorientiertes
Gründungsgeschehen Bestandsaufnahme für eine Weiterentwicklung von
EXIST, 2005 “
www.bmbf.de/pub/wissens_technologieorientiertes_gruendungsgeschehen.pdf
Pfennig, Uwe et al. (2002): Zur Zukunft technischer und
naturwissenschaftlicher Berufe, Strategien gegen den Nachwuchsmangel.
Akademie für Technikfolgeabschätzung (Hg.)
Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung (2005): Nach wie vor
studieren wenige Frauen Natur- und Ingenieurwissenschaften (26.04.2005)
Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung (2005): Frauen im Bildungssystem zunehmend erfolgreicher (06.09.2005)
Stewart, Gerdi (2003): Die Motivation von Frauen für ein Studium der Ingenieur- und Naturwissenschaften.
Zwick, Michael M.; Renn, Ortwin (2000): Die Attraktivität von
technischen und ingenieurwissenschaftlichen Fächern bei der Studien-
und Berufswahl junger Frauen und Männer. Eine Präsentation der Akademie
für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg. |
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